Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Des jahres wilde glorie durchläuft von

Des Jahres wilde glorie durchläuft
Der trübe sinn der mittags sich verlor
In einem walde wo aus spätem flor
Von safran rost und purpur leiden träuft.

Und blatt um blatt in breiten flecken fällt
Auf schwarze glätte eines trägen bronns
Wo schon des dunkels grausamer gespons
Ein knabe kühlen auges wache hält ...

Und durch die einsamkeiten stumm und taub
Senkt langsam flammend sich von ast zu ast
Ins schwere gelb des abends goldner glast —
Dann legt sich finstrer dunst in finstres laub.

Nachtschatten ranken, flaumiges gebräm,
Um einen wall von nacktem blutigen dorn,
Geritzte hände dringen matt nach vorn ...
Dass in das dickicht nun der schlummer käm! ...

Da bricht durch wirres grau ein blinken scheu
Und neue helle kommt aus dämmerung.
Ein anger dehnt auf einem felsensprung
Weithin ... nur zieht durch der violen streu

Die reihe schlanker stämme, speer an speer,
Von silber flimmert das gewölbte blau,
Ein feuchter wind erhebt sich duftend lau ...
Es fallen blüten auf ein offen meer.