Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Dies wären meine schönen Tage von

Dies wären meine schönen Tage,
dürfte ich in Freuden leben.
Nun hat mir Gott eine schwere Klage
zu dieser schönen Zeit gegeben.
Die Klage muß ich ewig tragen.
Ich hab verloren einen Mann.
Von ihm darf ich euch sagen,
daß Weib nie lieberen Freund gewann.
Da er noch mein, wie freut ich mich.
Nun nahm ihn Gott. Der liebt ihn mehr als ich.

Wer meine Schmerzen recht erkannt,
der fühlt, wie sie der Klage wert.
Mein Glück, bei dem ich Treue fand
und was ein Weib vom Mann begehrt
hat Gott von mir genommen.
Nun wird zu mir bis an den Tod
nicht eine Stunde kommen,
die frei von Leid, die frei von Not.
Die andern, die in Freuden gehn,
die sollen hell in diesen Tagen sehn.

Der Liebe Ende ist das Leid.
Die, die nicht leidet und nicht liebt,
die geht mit Freuden hin die Zeit,
die Gott der Erde gibt.
Ich habe Klage, ist der Tag auch licht.
Die Frohe aber geht und lacht,
versteht mich nicht und glaubt mir nicht.
Die Liebe hat mir viel Glück gebracht.
Nun gehn die schweren Jahre hintennach.
Mit Leid muß ich vergelten tausendfach.

Neudeutsch von Will Vesper