Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Es kamen drei Diebe aus Morgenland von

Es kamen drei Diebe aus Morgenland,
die gaben sich für drei Grafen aus,
sie kamen vor der Frau Wirtin Haus:

?Frau Wirtin, hat sie es diese Gewalt,
daß sie über Nacht drei Grafen behalt?"

?Wenn ich es diese Gewalt nicht hätt,
was wär mir denn die Wirtschaft nutze?

Der erste tat die Pferde in Stall,
der andere schwenkt das Futter hinein,
der dritte tat zur Küche hinein

und küßte der Frau Wirtin ihr Mägdlein,
oder ist es ihr getreues Töchterlein?

?Es ist mein getreues Töchterlein,
es soll euch zapfen Bier und Wein."

Der erste sprach: ?Das Mägdlein ist mein,
ich hab ihm gegeben ein Ringelein!"

Der andere sprach: ?Das Mädchen ist mein,
ich hab ihm gegeben ein Glas voll Wein."

Der dritte sprach: ?Das Mädchen wär wert,
daß wir es teilten mit unserem Schwert."

Sie gaben der Frau Wirtin einen süßen Getränk,
daß sie vom Stuhl ins Bette hinsank.

Das Mägdlein greift der Mutter wohl an den Mund:
?Ach, Mutter, leb jetzt noch eine Stund!"

Es greift der Mutter wohl an die Händ:
?Ach, Mutter, du bist am letzten End!"

Es greift der Mutter wohl an die Füß:
?Ach, Mutter, was ist der Schlaf so süß."

Sie legten es auf einen viereckten Tisch
und teilten es wie ein Wasserfisch,

und wo ein Tröpfchen Blut hinsprang,
da saß ein Engel ein Jahr und sang.

Und wo der Mörder das Schwert hinlegt,
da saß ein Rabe ein Jahr und kräht.