Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Tannhäuser von

Tannhäuser

Nun will ich aber heben an
von dem Danhauser singen,
und was er Wunders hat getan
mit Venus, der edlen Minne.

Danhauser war ein Ritter gut.
Wann er wollt Wunder schauen,
er wollte in Frau Venus Berg
zu andren schönen Frauen.

?Herr Danhauser, Ihr seind mir lieb,
daran sollt Ihr gedenken!
Ihr habt mir einen Eid geschworen:
Ihr wollt von mir nit wenken(1)."

?Frau Venus! Das enhab ich nit,
ich will das widersprechen,
und redt das jemands mehr dann Ihr,
Gott helf mirs an ihm rächen."

?Herr Danhauser, wie redt Ihr nun?
Ihr sollt bei mir gebleiben;
ich will Euch mein Gespielen geben
zu einem steten Weibe."

?Und nähm ich nun ein ander Weib,
ich hab in meinen Sinnen:
So müßt ich in der Hölle Glut
auch ewiglich verbrinnen."

?Ihr sagt viel von der Hölle Glut,
habt es doch nie empfunden,
gedenkt an meinen roten Mund!
Der lacht zu allen Stunden."

?Was hilft mir Euer roter Mund?
Er ist mir gar unmäre(2);
nun gebt mir Urlaub, Fräulein zart,
um aller Frauen Ehre!"

?Danhauser! Wollt Ihr Urlaub han,
ich will Euch keinen geben;
nun bleibt hier, edler Danhauser,
und fristet Euer Leben."

?Mein Leben, das ist worden krank,
ich mag nicht länger bleiben;
nun gebt mir Urlaub, Fräulein zart,
von eurem stolzen Leibe!"

?Danhauser, nit reden also!
Ihr tut Euch nit wohl besinnen;
so gehn wir in ein Kämmerlein
und spielen der edlen Minnen."

?Euer Minne ist mir worden leid,
ich hab in meinem Sinne:
Frau Venus, edle Frau so zart,
Ihr seid ein Teufelinne."

?Herr Danhauser, was redt Ihr nun,
und daß Ihr mich tut schelten?
Und sollt Ihr länger hier innen sein,
Ihr müssets sehr entgelten."

?Frau Venus, das enwill ich nit,
ich mag nit länger bleiben.
Maria, Mutter, reine Maid,
nun hilf mir von den Weiden!"

?Danhauser, Ihr sollt Urlaub han,
mein Lob, das sollt Ihr preisen,
und wo Ihr in dem Land um fahrt,
nehmt Urlaub von dem Greisen!"

Da schied er wiederum aus dem Berg
in Jammer und in Reue:
?Ich will gen Rom wohl in die Stadt
auf eines Papstes Treue.

Nun fahr ich fröhlich auf die Bahn,
Gott woll mein immer walten!
zu einem Papst, der heißt Urban,
ob er mich möcht behalten. -

Ach, Papste, lieber Herre, mein!
Ich klag Euch hie mein Sünde,
die ich mein Tag begangen hab,
als ich Euch will verkünden.

Ich bin gewesen auch ein Jahr
bei Venus, einer Frauen,
nun wollt ich Beicht und Buß empfahn,
ob ich möcht Gott anschauen."

Der Papst hat ein Stäblein in seiner Hand,
und das war also dürre:
?Als wenig das Stäblein grünen mag,
kommst du zu Gottes Hulde."

?Und sollt ich leben nur ein Jahr,
ein Jahr auf dieser Erden,
so wollt ich Beicht und Buß empfahn
und Gottes Trost erwerben."

Da zog er wiederum aus der Stadt
in Jammer und in Leiden.
?Maria, Mutter, reine Maid!
Ich muß mich von Dir scheiden."

Er zog nun wiederum in den Berg
und ewiglich ohn Ende:
?Ich will zu meiner Frauen zart,
wo mich Gott will hin senden."

?Seind gottwillkommen, Danhauser!
Ich hab Euer lang entbohren;
seind willekommen, mein lieber Herr,
zu einem Buhlen außerkoren!"

Es stund bis an den dritten Tag:
Der Stab fing an zu grünen,
der Papst schickt aus in alle Land:
Wo Danhauser hin wär kommen?

Da war er wiederum in den Berg
und hatt sein Lieb erkoren,
deß muß der vierte Papst Urban
auf ewig sein verloren.

Fußnote

(1) wanken, weichen
(2) unlieb