Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Es fielen drei Sterne vom Himmel herab von

Es fielen drei Sterne vom Himmel herab,
sie fielen wohl auf des Königes Grab,
dem Könige starben drei Töchterlein ab.

Die eine, die starb, als der Morgen anbrach,
die andre, die starb, als der Mittag anbrach,
die dritte, die starb, als der Abend anbrach.

Die erste, die ward mit Rosen geschmückt,
die andre, die ward mit Nelken bestickt,
die dritte, die ward mit Nadeln gespickt.

Sie faßten sich alle drei wohl an die Hand
und gingen den grünen Weg entlang,
da begegnet ihnen ein weißer Mann,
der hatt des Herrn Christus seine Kleider an.

Der weiße Mann sprach: ?Wo wollen Sie hin?"
?Wir wollen nach der himmlischen Ruhe hin —"
?Gehn Sie, gehn Sie ein klein wenig baß zu,
da werden Sie wohl finden die himmlische Ruh."

Und als sie kamen ein klein wenig baß zu,
da kamen sie wohl an die himmlische Ruh.
Sie klopften gar, gar leise an,
Sankt Petrus kam, es ward aufgetan.
Die zwei, die gingen in den Himmel hinein,
die dritte ließ Sankt Petrus nicht ein.

?Ach, Jesus, was hab ich Dir zuleide getan,
daß ich mußt vor dem blauen Himmel stahn?"
?Gehn Sie, gehn Sie ein klein wenig baß zu,
da werden Sie wohl finden die höllische Ruh."

Und als sie kam an die höllische Ruh,
da klopfte sie so greulich an,
der Teufel kam, es ward aufgetan.

Sie setzten sie auf einen glühenden Stuhl,
sie gaben ihr einen glühenden Becher in die Hand,
daß ihr das Blut aus Händen und Füßen sprang.

?Ach, Jesus, was hab ich Dir zuleide getan,
daß ich muß im höllischen Feuer stahn?"

?Wann die andern sind in die Kirch gegangen,
prangtest Du, mit Federn und Blumen behangen;
wenn die andern haben gebet und gesungen,
bist Du mit den jungen Kavaliers herummer gesprungen.