Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Jungbrunnen von

Jungbrunnen

Bei meines Buhlen Haupte
da steht ein güldner Schrein,
darin da liegt verschlossen
das junge Herze mein,
wollt Gott, ich hätt den Schlüssel,
ich würf ihn in den Rhein.
Wär ich bei meinem Buhlen,
wie möcht mir besser sein.

Bei meines Buhlen Füßen
da fließt ein Brünnlein kalt,
und wer des Brünnleins trinket
der jungt und wird nit alt;
ich hab des Brünnleins trunken
so manchen stolzen Trunk,
viel lieber wollt ich küssen
meins Buhlen roten Mund.

In meines Buhlen Garten
da stehn zwei Bäumelein,
das ein das trägt Muskaten,
das andre Nägelein;
Muskaten, die sind süße,
die Nägelein, die sind räß(1),
die geb ich meinem Buhlen,
daß er mein nicht vergess.

Fußnote

(1) Bitter herb