Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Wie schön leuchtet der Morgenstern von

Wie schön leuchtet der Morgenstern
vom Firmament des Himmels fern,
die Nacht hat sich verloren.
All Kreaturen freuen sich,
daß wieder kompt des Lebens Liecht,
der Tag wird neu geboren,
die klein Vöglein
quintelieren, solmesieren,
ehrn und loben
ihren Schöpfer hoch dort oben.

Auf, auf, mein Herz, ermunter dich,
erheb dein Stimm, vergiß ja nicht,
dem Herrn auch Lob zu bringen.
Er ists allein, dem Lob gebührt,
und dem man billig moduliert,
all Stimm soll ihm erklingen,
mit Fleiß sein Preis
intonieren, figurieren
auf viel Weisen,
seinem Namen Ehr beweisen.

Du, Herr, bists, der mich diese Nacht
durch sein Engelquardi bewacht,
nach meim Wunsch und Begehren.
Das macht Dein Güt, Dein Freundlichkeit,
Dein himmelsüß Barmherzigkeit,
daß mich nicht tut gefähren
Unglück, Fallstrick,
Machinieren, Persequieren,
Tobn und Wüten
der verdampten Hellen-Hütten.

Es hätt mich können treffen bald
Leid und Betrübnis mannigfalt,
daß ich nicht wär erwachet.
Dein Güte machts, daß ich noch leb,
darumb nach Deinem Lob ich streb,
mein Herz stets dahin trachtet,
wie ich fröhlich
mein Laudate und Cantate sublimiere(1),
und mit Psalmen Dich verehre.

Ei, mein Herr, süßer Lebenshort,
schleuß mir weit auf der Gnaden Pfort,
daß unter Deinem Schutze
als ein Kastell fest diesen Tag,
entfreiet ganz vor aller Plag,
ich wohl verwahret sitze,
wie ein Täublein
in der Höhlen sich vor vielem Unglück berget
und darin bleibt wohl versorget.

Geuß aus vom hohen Himmelsthron
über mich Dein Gunst, Freud und Wonn,
ein neu Herz tue mir schenken,
daß ich zu Deines Namens Ehr
dem Zweck meines Berufes kehr
all Sinn, Red und Gedanken,
Dein Gnad mein Tat
moderiere, mich regiere,
daß gelinge
alles, was ich heut beginne.

Und so ja nach des Himmels Schluß
viel Elend und Bekümmernis
mich soll den Tag betreten,
so steh mir bei durch Deine Güt,
die mich bisher so wohl behüt,
tu bald daraus erretten,
bis ich endlich
zu der Glori und Signori Deiner Freuden
dringe durch dies Kreuz und Leiden.

Indes, mein Herz, spring, tanz und sing,
in allem Kreuz sei guter Ding,
der Himmel steht Dir offen.
Laß Dich Schwermut nicht nehmen ein,
denn auch die liebsten Kinderlein
allzeit das Kreuz hat troffen.
Schick Dich, drück Dich
und gläub feste, daß das Beste, so bringt Frommen,
sollst in jener Welt bekommen.