Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Da Gott der Herr im Garten ging von

Da Gott der Herr im Garten ging,
da er sein heiliges Leiden anfing,
da trauret alles, was da was,
Kreatur, Laub und grünes Gras.

Maria hört ein Hämmerlein klingen:
O weh! o weh! meins lieben Kinds!
O weh! o weh! meines Herzensthron!
Mein Kind muß ich verlassen schon.

Maria kam unter dem Kreuz gegangen,
sie sah ihr liebs Kind vor ihr hangen,
an einem Kreuz, war ihr nit lieb,
Maria war ihr Herz betrübt.

Nun bieg dich, Baum, nun bieg dich, Ast,
mein Kind hat weder Ruh noch Rast,
nun bieg dich, Laub, nun bieg dich, Gras,
laßt euch zu Herzen gehen das.

Die hohen Bäume, die biegten sich,
die hohen Felsen zerkliebten sich,
die Sonn verliert ihr klaren Schein,
die Vögel lassen ihr Singen sein.

Nun merket auf, ihr Fraun und Mann,
und wer dies Liedlein singen kann,
der sing es nur all Tag einmal,
sein Seel wird kommen in Himmelssaal.