Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Es ist ein Schnitter, heißt der Tod von

Es ist ein Schnitter, heißt der Tod,
hat Gewalt vom großen Gott,
heut wetzt er das Messer,
es schneidt schon viel besser,
bald wird er drein schneiden,
wir müssens nur leiden.
Hüte dich, schöns Blümelein!

Was heut noch grün und frisch da steht,
wird morgen schon hinweggemäht:
Die edel Narzissel,
die englische Schlüssel,
die schön Hyanzinthen,
die türkischen Binden.
Hüte dich, schöns Blümelein!

Viel hunderttausend ungezählt,
was nur unter die Sichel fällt:
rot Rosen, weiß Liljen,
beid wird er austilgen.
Auch die Kaiserkronen,
wird er nicht verschonen.
Hüte dich, schöns Blümelein!

Das himmelfarbe Ehrenpreis,
die Tulipanen gelb und weiß,
die silbernen Glocken,
die goldenen Flocken,
senkt alles zur Erden,
was wird nur draus werden?
Hüte dich, schöns Blümelein!

Ihr hübsch Lavendel, Rosmarein,
ihr vielfärbige Röselein,
ihr stolze Schwertliljen,
ihr krause Basiljen,
ihr zarte Violen,
man wird euch bald holen.
Hüte dich, schöns Blümelein!

Aus Seiden ist der Fingerhut,
aus Sammet ist das Wohlgemut,
noch ist er so blind,
nimmt, was er nur findt,
kein Sammet, kein Seiden
mag ihn vermeiden.
Hüte dich, schöns Blümelein!

So viel Maßlieb und Rosmarin
welkt unter der Sichel hin,
Vergißmeinnit,
du mußt auch mit,
und du, Tausendschön,
man läßt dich nit stehn.
Hüte dich, schöns Blümelein!

Er macht so gar kein Unterschied,
geht alles in einem Schnitt,
der stolze Rittersporn
und Blumen im Korn,
da liegens beisammen,
man weiß kaum den Namen.
Hüte dich, schöns Blümelein!

Trutz! Tod, komm her, ich fürcht dich nit,
Trutz! Komm und tu ein Schnitt.
Wenn er mich verletzet,
so werd ich versetzet,
ich will es erwarten,
in den himmlischen Garten,
freu ich, du schöns Blümelein!