Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Die Lilie von

Die Lilie

Gott hat mein Kleid gesticket
Ohn' mein Sorgen,
Mit Silber mich beglücket
Spat und morgen.
Die Lilie, zeptergleich, gestaltet,
Hoch über alle Blumen waltet,
Mit Pracht geschmücket.

Der weise König Salomon
Den Lilien weichet,
Sein hoher Thron und Königskron'
Sich mir nicht gleichet.
Weil ihn der Weiber Lust verführet,
Ist er nicht, wie ich bin, gezieret,
Weiß, rein und schön.

Der in erhabnen Würden lebet,
Und ist befleckt,
In dessen Herz und Munde schwebet,
Was ihn ersteckt.1
Die aber reine Geister haben,
In denen sind des Höchsten Gaben
Bald aufgeweckt.

Fußnoten

1 D.h. erstickt.