Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Abendlied von

Abendlied

Im Ton: Wer in deß Allerhöchsten Hut, usw.

Lobwassers XCI. Psalm.

1.
Nvnmehr beginnt die Schatten-Nacht
Die Sonne zu verjagen,
Der Mond mit seiner Sternen Wacht
Muß in dem Tuncklen tagen;
Doch bleibt bey uns der Hütersmann,
Der Israel bewahret,
Daß uns kein Vbel rühren kan,
Wie sein Wort offenbaret.

2.
Dir, Gott, dicht ich ein neues Lied,
Daß du mich hast erhalten,
Daß du mir gibest Heil und Fried
Und wilst ob uns stets walten,
Daß du beschirmet unser Haab,
Leib, Ehr und unser Leben.
Ach! welche Widergeltungs-Gab
Kan ich dem Höchsten geben?
3.
Mit Gnad und Barmehertzigkeit
Hast du mich, HERR, gekrönet,
Dein Fittig deckt mich allezeit,
Dein Sohn hat mich versöhnet.
Gib, daß in mir dein Gnaden-Wort
Deß Lebens Früchte bringe,
Daß ich es auch bewahr hinfort
Und deiner Ehr Lobsinge.

4.
Sey über meiner rechten Hand
Ein außgebreitter Schatten,
Behüte mich für Sünd und Schand,
Daß ich schlaf ohn ermatten.
Erheb du über mich das Liecht
Und deines Antlitz Stralen,
Daß ich die Nacht erschrecke nicht
Vor Vnfall ohne Zahlen.

5.
Hilff, HERR, daß ich mein Lebenlang
Von Hertzen Dir Lobsage,
Daß meiner Lauten Danckgesang
Dir allezeit behage,
Daß ich am Jüngsten Welt-Gericht
Mög einsten auferstehen,
Zu schauen GOTT von Angesicht
Dort in deß Himmels Höhen.

Amen.