Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Rath von Oben von

Rath von Oben

»Stilles Leiden, frommes Meiden
Aller Erdenpracht und Lust,
Heilig Lieben, stetes Ueben
Sei fortan dir nur bewußt.

Weinend büßen Ihm zu Füßen,
Der der Sünderin vergab,
Heilig Sehnen, fromme Thränen
Waschen deine Flecken ab.

Beten, Leiden, muthig Streiten
Gegen Teufel, Welt und Lust,
Diese Waffen nur verschaffen
Sieg und Ruhe deiner Brust.« -

Hab' Erbarmen mit der Armen,
Hab', o Herr! mit mir Geduld!
Ach nicht richte - nein, vernichte,
Vater! meine große Schuld.

Sieh im Herzen meine Schmerzen;
Sende Deines Geistes Licht;
Stetes Weinen soll mich reinen:
Laß mich sehn Dein Angesicht!

Sieh, ich habe Dir zur Gabe
Ganz geopfert dieses Herz;
Und ich werde von der Erde
Selig schweben himmelwärts.

Mit Dir ringend, Dich bezwingend
Halt' ich, wie einst Jacob, Dich.
Mußt gewähren mein Begehren,
Nimmst in Deinen Himmel mich.

Berlin, 1817.