Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Maria von

Maria

Ich weiß eine Magd, gar hehre,
Die trägt den höchsten Preis.
Wer ringt zu ihrer Ehre,
Der ist an Tugenden weis'.
Gen ihr sind andre Frauen
Nur Dörnlein auf der Auen
Bei einem Lilienreis.

Ihr rein weiblich Gebilde,
Ihr' Keuschheit ist so groß,
Daß sich ein Einhorn wilde
Gab hin in ihren Schooß,
Das war so stark an Kraft,
Daß seine Meisterschaft
Der Himmel nicht beschloß.

Von Sternenglanz eine Krone,
Die trägt sie wohlgethan;
Es sah sie in ihrem Throne
Der Fürst Octavian
In himmelschöner Wonne,
Bekleidet mit der Sonne,
Den Mond ihr unterthan.

Ein Lamm als Kindlein süße
In ihren Armen lag;
Der Alte war's, der Riese,
Der schuf den ersten Tag,
Der mannlichste der Ritter;
Ihm ward sein Leben bitter
Durch schwerstes Ungemach.

Sein Herz ward ihm durchstochen
Mit einem scharfen Speer,
Damit hat er durchbrochen
Die Höll' und all' ihr Heer.
Er löste, die gefangen,
Ihr Leid war da vergangen,
Wohl uns der guten Mär'!

Er stand auf aus dem Grabe,
Der edle Fürste gut,
Mit seinem Kreuzes-Stabe;
Sein' Wunden waren roth.
Als er mit großen Ehren
Zum Himmel wollte kehren,
Ueberwunden war der Tod.

Er ist zum Himmel gefahren
Mit wundergroßer Macht.
Wol unzählbare Schaaren
Hat Er mit Sich gebracht.
Der Himmel, einst geschlossen,
Steht nun uns allen offen;
Heil, der drein kommen mag!

Nun sitzt Er auf dem Throne
Zu Seines Vaters Hand.
Ihm singen die Engel zum Lohne
Sanctus, den süßen Sang,
Sanctus Deus Sabaoth! -
Ein heil'ger Mensch und wahrer Gott
Christus ist genannt.