Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Gruß dem Kränzchen von

Gruß dem Kränzchen

Es hegt ein blühender Garten
Viel zarte Blümelein;
Der Herr thut ihrer warten
Mit Thau und Sonnenschein.

Und all' die blühenden Kronen
Umzieht ein grüner Hag,
Drin Nachtigallen wohnen
Mit süßem Sang und Schlag.

Auch sind sie treuen Händen
Zur Pflege anvertraut;
Mit schützenden Geländen
Sind milde sie umbaut.

Jüngst weht' aus weiter Ferne
Ein herbstlich Blatt der Wind
Recht zwischen die blühenden Sterne
Und dreht's im Kreise lind.

Da singen die Nachtigallen
Und duften die Blümelein;
Wohl muß es dem Blatte gefallen:
Es sieht ja den Lenz sich ernenn.

Aus Blumenkelchen leise
Ein Lied nun aufwärts schwebt,
Das ist - ach! dieselbe Weise,
Die es gerauscht, gebebt,

Als noch das Nest der Taube
Gedeckt sein junges Grün
Und lieblich durch die Laube
Ihm Maiensonne schien. -

Doch daß es weiter reise,
Trägt es ein Hauch hinweg,
Und Thränen perlen leise
Auf seinen einsamen Steg.

Und nimmer wird's vergessen
Das Kränzlein, in das es einst fiel,
Bis dort an den Cypressen
Ihm winkt sein Reiseziel.

Auf dem Dampfschiff, 1859.