Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Säusle, liebe Myrte! von

Säusle, liebe Myrte!
Wie still ists in der Welt,
der Mond, der Sternenhirte
auf klarem Himmelsfeld,
treibt schon die Wolkenschafe
zum Born des Lichtes hin,
schlaf, mein Freund, o schlafe,
bis ich wieder bei Dir bin!

Säusle, liebe Myrte!
und träum im Sternenschein,
die Turteltaube girrte
auch ihre Brut schon ein.
Still ziehn die Wolkenschafe
zum Born des Lichtes hin,
schlaf, mein Freund, o schlafe,
bis ich wieder bei Dir bin!

Hörst Du, wie die Brunnen rauschen?
Hörst Du, wie die Grille zirpt?
Stille, stille, laß uns lauschen,
selig, wer in Träumen stirbt;
selig, wen die Wolken wiegen,
wenn der Mond ein Schlaflied singt;
o! wie selig kann der fliegen,
dem der Traum den Flügel schwingt,
daß an blauer Himmelsdecke
Sterne er wie Blumen pflückt;
schlafe, träume, flieg, ich wecke,
bald Dich auf und bin beglückt!