Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Zwei Röselein von

Zwei Röselein

Knabe
Geh ich zum Brünnelein,
trink aber nicht,
such ich mein Schätzelein,
finds aber nicht.

Setz ich mich so allein
aufs grüne Gras,
fallen zwei Röselein
mir in den Schoß.

Diese zwei Röselein,
gelten mir nicht,
ists nicht mein Schätzelein,
die sei mir bricht?

Diese zwei Röselein
sind rosenrot,
lebt noch mein Schätzelein
oder ists tot?

Wend ich mein Äugelein
rum und umher,
seh ich mein Schätzelein
beim andern stehn.

Wirft ihn mit Röselein,
treffen mich tut;
meint, sie wär ganz allein,
das tut kein gut.

Wärst Du mein Schätzelein,
wärst Du mir gut?
Steck die zwei Röselein
mir auf den Hut.

Mädchen
Wirst doch nicht reisen fort,
hast ja noch Zeit.

Knabe
Ja, ich will reisen fort,
mein Weg ist weit,
hin, wo ihr treue Lieb
kein Mägdlein bricht.

Mädchen
Schatz, nimm zu Haus vorlieb,
hin findst Du nicht.

Röslein am Strauche blühn
ewig doch nicht,
Lieb ist so lang nur grün,
bis man sie bricht.

Nimm die zwei Röselein
auf Deinen Hut,
ewig beinander sein
tut auch kein gut.

Wenn die zwei Röselein
nicht mehr sind rot,
werf sie in den Fluß hinein,
denk, ich wär tot.

Knabe
Bist Du tot allzumal,
tut mirs nicht leid,
Untreu findt überall,
wen sie erfreut.