Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

In der Fremde von

In der Fremde

1
Da fahr ich still im Wagen,
Du bist so weit von mir,
wohin er mich mag tragen,
ich bleibe doch bei Dir.

Da fliegen Wälder, Klüfte
und schöne Täler tief,
und Lerchen hoch in Lüften,
als ob Dein Stimme rief.

Die Sonne lustig scheinet
weit über das Revier,
ich bin so froh verweinet
und singe still in mir.

Vom Berge gehts hinunter,
das Posthorn schallt im Grund,
mein Seel wird mir so munter,
grüß Dich aus Herzensgrund.

2
Ich geh durch die dunklen Gassen
und wandre von Haus zu Haus,
ich kann mich noch immer nicht fassen,
sieht alles so trübe aus.

Da gehen viel Männer und Frauen,
die alle so lustig sehn,
die fahren und lachen und bauen,
daß mir die Sinne vergehn.

Oft wenn ich bläuliche Streifen
seh über die Dächer fliehn,
Sonnenschein draußen schweifen,
Wolken am Himmel ziehn:

Da treten mitten im Scherzen
die Träne ins Auge mir,
denn die mich lieben von Herzen,
sind alle so weit von hier.