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In der Trauer von

In der Trauer

1
Klagt mich nicht an, daß ich vor Leid
mein eigen Bild nur könne sehen!
Ich seh durch meinen grauen Flor
fern euere Gestalten gehen.

Und durch den starken Wellenschlag
der See, die gegen mich verschworen,
geht mir von euerem Gesang,
wenn auch gedämpft, kein Ton verloren.

Und wie die müde Danaide wohl,
das Sieb gesenkt, neugierig um sich blicket,
so schau ich euch verwundert nach,
besorgt, wie ihr euch fügt und schicket!

2
Ein Meister bin ich worden,
zu weben Gram und Leid;
ich webe Tag und Nächte
am schweren Trauerkleid.

Ich schlepp es auf der Straße
mühselig und bestaubt;
ich trag von spitzen Dornen
ein Kränzlein auf dem Haupt.

Die Sonne steht am Himmel,
sie sieht es und sie lacht:
Was geht da für ein Zwerglein
in einer Königstracht?

Ich lege Kron und Mantel
beschämt am Wege hin
und muß nun ohne Trauer
und ohne Freuden ziehn!