Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Fatinga von

Fatinga

Fatinga ranzt. Ich lieg am Holzesrande,
gebannt von ihrer Glieder Bronzeguß.
Entlassen hab ich die Zigeunerbande,
das Mädchen blieb zurück, als wärs zum Pfande,
und wil sie will und weil sie bleiben muß.
Ein Pascha bin ich, bin ein reicher Grande,
im grünen Turban streif ich oft im Lande,
den biedern Heimatbrüdern zum Verdruß.
Fatinga tanzt.

Die Schellentrommel blitzt im Sonnenbrande,
der Pirol lockt im dichten Buchenstande,
und über Kiesel schwatzt der Wiesenfluß.
Und alles freut sich, lauscht dem süßen Tande,
selbst über mir die kleine Haselnuß.
Fatinga tanzt.

Der Sommer ging, ich steh an alter Stelle;
die kleine Haselnuß ist längst gepflückt,
gestorben ist die muntre Wiesenwelle,
entlaufen ist mein brauner Weggeselle,
der meine Seele hier zuerst entzückt.
Springfüßig floh nach Süden die Gazelle,
eh sie der Winter zwang in Bärenfelle,
und Eis die Nordlandwasser überbrückt.
Der Sommer ging.

Zu schmal war ihr die breite Marmorschwelle,
der hohe Säulengang hat sie gedrückt,
und eines Abends mit der Hindin Schnelle,
als sie mit letzten Rosen sich geschmückt,
ist sie entsprungen in die Dämmerhelle.
Der Sommer ging.