Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Heimgang in der Frühe von

Heimgang in der Frühe

In der Dämmerung,
um Glock zwei, Glock dreie,
trat ich aus der Tür
in die Morgenweihe.

Klanglos liegt der Weg,
und die Bäume schweigen,
und das Vogellied
schläft noch in den Zweigen.

Hör ich hinter mir
sacht ein Fenster schließen.
Will mein strömend Herz
übers Ufer fließen?

Sieht mein Sehnen nur
blond und blaue Farben?
Himmelsrot und grün
samt den andern starben.

Ihrer Augen Blau
küßt die Wölkchenherde,
und ihr blondes Haar
deckt die ganze Erde.

Was die Nacht mir gab,
wird mich lang durchbeben,
meine Arme weit
fangen Lust und Leben.

Eine Drossel weckt
plötzlich aus den Bäumen,
und der Tag erwacht
still aus Liebesträumen.