Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Nachts von

Nachts

Horch! auf der Erde feuchtem Grund gelegen,
arbeitet schwer die Nacht der Dämmerung entgegen!
Indessen dort in blauer Luft gezogen,
die Fäden leicht, unhörbar fließen,
und hin und wieder mit gestähltem Bogen
die lustgen Sterne goldne Pfeile schießen.

Im Erdenschoß, im Hain und auf der Flur,
wie wühlt es jetzo rings in der Natur
von nimmersatter Kräfte Gärung!
und welche Ruhe doch! und welch ein Wohlbedacht!
Mir aber in geheimer Brust erwacht
ein peinlich Widerspiel von Fülle und Entbehrung
vor diesem Bild so schweigend und so groß!
Mein Herz, wie gerne machtest du dich los!
Du schwankendes, dem jeder Halt gebricht,
willst, kaum entflohn, zurück zu deinesgleichen.
Trägst du der Schönheit Götterfülle nicht,
so beuge dich! Denn hier ist kein Entweichen.