Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Aus „Zwei Menschen" von

Aus ?Zwei Menschen"

Romanze III, 28

Doch weit und hoch und funkelnd spannt die Nacht
ihr Grauen aus um Turm und Hain und Garten.
Im Tal bezeugt ein Lichtlein ihre Macht.
Die Stadt schläft, von den Sternen bewacht.
Und über die Wipfel deutend, die fosterstarrten,
fragt das Weib mit Vorbedacht:

Doch wenn nach unsern göttlichen Augenblicken
die menschlichen Stunden das Herz beschleichen?
können wir uns wie diese Eichen
mit sichern Wurzeln in jedes Schicksal schicken?
Das Kind kanns noch - da sprachst du wahr;
sie denkt schon dran, hier Spielgefährten zu finden.
Sie kann ihr Herz noch frei an alles binden;
selbst ihren Büchern bringt sies dar.
Wir aber, die wir nicht mehr einsam sind
und doch dem Zwiespalt dieser Welt empfinden,
dürfen wir träumen wie ein Kind?

Das Licht im Tal erzittert; sie sehns verschwinden.
Des Mannes Lächeln wird seltsam wild.
Es ist ein Lächeln, das allem Schicksal gilt.
Sein Blick erhebt sich in die nächtgen Fernen,
als lese er die Antwort aus den Sternen,
seltsam mild:

Es ist in uns ein Ewig Einsames -
Es ist Das, was uns alle eint.
Es tut sich kund als Urgemeinsames,
je eigner es die Seele meint.
Sie wurzelt rings im grenzenlos Alleinen;
sie liebt es, sich im Weltspiel zu entzwein,
um immer wieder selig sich zu einen
durch zwei, die grenzenlos allein.
So lebt die Liebe - da ist kein Traum.
So, Kind, erlebt dein Herz im dürrsten Baum,
was ihm wohl oder wehe tut;
nur leiser, ferner, nicht so nah dem Blut.

Zwei Menschen lächeln über Zeit und Raum.