Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Elegia von

Elegia

Weil daß die Sonne sich ins tiefe Meer begeben /
und ihr gestirntes Haupt die Nacht hat aufgericht /
sind Menschen / Vieh und Wild wie gleichsam ohne Leben /
der Monde scheinet auch gar kaum mit halbem Licht.
Ich / ob schon alles schläft / muß ohn' Aufhören wachen /
ich / ob schon alles ruht / muß ruhen ohne Ruh /
ob schon die ganze Welt frei ist von ihren Sachen /
bring ich vor Liebesbrunst und Angst kein Auge zu.
Und dich / Asterie / hat auch der Schlaf umringet /
der Tagesarbeit Furt / des Todes Ebenbild /
da mir der Zährenbach aus beiden Augen dringet /
bist du mit sanfter Ruh auf deinem Bett erfüllt.
Wie wann sich Delia hat in den Wald verborgen /
wird durch den Schlaf erwischt und fällt ins grüne Gras /
und wie die Nymphen auch sich legen gegen Morgen /
wann der nächtliche Tanz sie hat gemachet laß;
sie ruhen sicherlich bei einem frischen Bronnen /
die Bäume halten auf der Morgenröte Licht /
daß sie nicht alsobald erwachen von der Sonnen /
deckt sie der dichte Wald: Pan aber schläfet nicht.
Er geht / er ruft / er schreit mit sehnlichem Verlangen /
daß seine Stimm erklingt durch Büsche / Berg und Tal /
und sie sind sanftiglich mit süßem Traum umfangen /
dem Pan antwortet nur der bloße Widerhall:
Du auch / mein Leben / schläfst / ich muß in Nöten wallen /
du bist in guter Ruh / ich wache für und für /
bis mich der letzte Tod wird endlich überfallen /
auf den ich sehnlich wart allhier bei deiner Tür.