Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Wo ist mein Aufenthalt ... von

Wo ist mein Aufenthalt, mein Trost und schönes Licht?
Der trübe Winter kömt, die Nacht verkürzt den Tag;
Ich irre ganz betrübt um diesen öden Wald;
Doch were gleich jetzt Lenz und Tag ohn alle Nacht,
Und hett' ich für den Wald die Lust der ganzen Welt,
Was ist Welt Tag und Lenz, wo nicht ist meine Zier?

Ein schönes frisches Quell gibt Blumen ihre Zier,
Dem starken Adler ist nicht liebers als das Licht,
Die süße Nachtigal singt fröhlich auf den Tag,
Die Lerche suchet Korn, die Ringeltaube Wald,
Der Reiger einen Teich, die Eule trübe Nacht;
Mein Lieb, ich suche dich für allem auf der Welt.

So lange bist du mir das Liebste von der Welt,
So lange Pales hegt der grünen Weide Zier,
So lange Lucifer entdeckt das klare Licht,
So lange Titans Glanz bescheint den hellen Tag,
So lange Bachus liebt den Wein und Pan den Wald,
So lange Cynthia uns leuchtet bei der Nacht.

Die schnelle Hindin sucht den Hirschen in der Nacht,
Was schwimmt und geht und keucht, liebt durch die ganze Welt
Die grimme Wölfin schatzt den Wolf für ihre Zier,
Die Sterne leihen usn zum Lieben selbst ihr Licht;
Ich aber gehe nun allhier schon manchen Tag,
O Schwester, ohne dich durch Berge, Wild und Wald.

Was ist, wo du nicht bist? So viel der kühle Wald
Ein Sandfeld übertrifft, der Morgen für der Nacht
Uns angenehmer ist, der Maler dieser Welt,
Der Lenz, für Winterluft, so viel ist deine Zier,
Die Schönheit, diese Lust mir lieber, o mein Licht,
Als das so weit und breit bestrahlt wird durch den Tag.

Der Trost erquickt mich doch, es komme fast der Tag,
Da ich nicht werde mehr bewohnen Berg und Wald,
Da deine Gegenwart und die gewünschte Nacht
Der Treu noch lohnen soll; indessen wird die Welt
Vergessen ihrer selbst, eh' als ich deiner Zier,
Mein höchster Aufenthalt, mein Trost und schönes Licht.

Laß wachsen, edler Wald, mit dir mein treues Licht,
Die Liebste von der Welt; es schade deiner Zier,
O Baum, kein heißer Tag und keine kalte Nacht.