Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Meine arme, scheue Liebe ... von

Meine arme, scheue Liebe,
Das blasse Bettelkind,
Wandert mit bloßen Füßen
Durch den eisigen Winterwind.
Bis sie zu deiner Seele
Hohem, goldenen Tor
Den weiten Weg gefunden,
Dann steht sie zitternd davor
Und pocht mit zagem Finger
Und flüstert ein liebes Wort,
Harrrt lauschend; gesenkt das Antlitz,
Schleicht traurig sie wieder fort.
So treibt sie's Tag um Tage
Und müder wird ihr Fuß
Und weher immer ihr Lächeln
Und trüb und trüber der Gruß.
Sie neigt, eine sterbende Blume,
Das Haupt zur Erde hin,
Wer ahnt in der Bettlerhülle
Die Seele, die Königin?