Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Gebt's weiter. von

Gebt's weiter.

Es war eines Tages bei Luneville.
Das Heer stand im Pulverdampfe,
Gar mancher tapfere Deutsche fiel
In heldenmütigem Kampfe.
Der ersten einer,welchen man fand,
War ein verstümmelter Reiter.
Er hielt noch ein Kärtchen fest in der Hand
(Ach, hätt' er's doch längst der Mutter gesandt!)
Und konnt nur noch flüstern:" Gebt's weiter."

Da sprengte vorüber ein Kamerad.
Man rief ihn herbei, daß er warte.
"Ihr reitet zur Feldpost? Das paßt gerad'!"
Und man gab ihm des Sterbenden Karte.
Der steckte sie zu dem Brief für den Schatz,
Dann stürmte er hastig weiter.--
Da bäumte das Roß.-- Ein tollkühner Satz.
Ein ächzender Aufschrei -- und tot auf dem Platz
Blieben beide: das Roß und der Reiter.--

Wer weiß,wer den Brief und die Karte fand!
Sie waren mitten durchschossen.
Was liebevoll-herzlich geschrieben stand --
Von Herzblut war's übergossen!
Vereinigt so warm, was verschwiegen blieb
Wie das Grab der wackeren Streiter.
Was der eine Reiter der Mutter lieb
Und der and're der Herzallerliebsten schrieb --
Ein Wunsch starb mit beiden: Gebt's weiter!