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Muse und Weib von

Muse und Weib

Zwei der Gestalten, zum Glücke erkoren,
Leiten mich sicher die dämmernde Bahn:
Göttlich die eine , aus Äther geboren,
Niedergestiegen in goldenem Kahn;
Sterblich die andre, dem Boden entsprungen,
Liebliche Blüte der ländlichen Flur,
Hält mich mit blühenden Ranken umschlungen
Fest an die Erde , ein Kind der Natur.
Schlägt die erste die goldene Laute
Flammenden Auges, mit fliegendem Haar,
Kauert zu Füßen die kindliche Traute,
Lauschend dem Lied , das die Muse gebar.
Schwingt sich die Muse mit mächtigem Fluge
wieder zum nächtlichen Äther empor,
Flüstert mir Träume die Kleine, die Kluge,
Märchen der Liebe ins trunkene Ohr.
Sind wir entschlummert, zur Erde gebettet,
Singt uns die Muse in selige Ruh;
Von der unsterblichen Lieb gerettet,
Fliegen die Seelen der Himmlischen zu.