Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Aus den Steinen. von

Aus den Steinen.

"Mit Steinen werft mir den Sänger!" rief
Herr Barthold in heißem Zorn.
"Was singt er die Mär', die solange schlief,
Was gibt er Erinn'rung den Sporn?

Ich war's, der des Bruders Geliebte gefreit,
Ich war's und er wußt' es gar gut,
Er weiß, daß mein Bruder seit jener Zeit
In des Schloßturms Mauern geruht!

Er weiß, daß ich schwur, wer daran mich mahnt,
Der sollte des Todes sein!
Drum steinigt den Sänger, der das geplant,
In die Gräben werft ihn hinein!"

Es fliegen die Steine, der Graf sieht zu,
Wild lachend schaut er hinab:
"Dort an die Turmwand stell' dich, du,
Da schweigt meines Bruders Grab!

Du wolltest Stimme dem geben, nun sieh,
Was aus den Steinen erklingt,
Ob aus den Steinen die Rache schrie,
Die deine Harfe besingt!"

Doch wie das furchtbare Stein'gen beginnt,
Da deckt mit den Armen, dem Leib
Der Sänger die Harfe, von Tränen blind,
Als wär' sie sein treuliebes Weib!