Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Unter den Rosen. von

Unter den Rosen.

Wenn Frühlingsdüfte kosen,
Dann fällt mir wieder ein,
Wie ich einst unter Rosen
Getrunken goldnen Wein.
Am Moselstrande war es,
Mir ist es noch wie heut -
Zur schönsten Zeit des Jahres,
Zur Rosenblütezeit.

In eines Winzers Garten,
Zu dem man uns entbot,
Da blühten voll die zarten,
Die Rosen weiß und rot.
Ein Keller lag darunter,
Gefüllt mit gutem Wein,
Da stiegen wir hinunter
Und tauchten tief hinein.

Da wo die Fässer winkten,
War dunkel es und kühl,
Nur wenig Lichtlein blinkten
Und führten uns ans Ziel.
Aus manchem Fasse probten
Wir drauf das edle Naß
Und priesen laut und lobten
Und leerten Glas um Glas.

Als dann wir aus dem Keller
Aufstiegen an das Licht,
Noch niemals glänzte heller
Der Tag uns ins Gesicht.
Wie schien uns Sorgenlosen
So schön die Welt zu sein!
Das kam von all' den Rosen,
Vom Frühling und vom Wein.