Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Weihnacht 1914. von

Weihnacht 1914.

O Weihnachtsfest, wie gar so lieblich klang
Das Lied doch, das, von Engelsmund gesungen,
So frohe Botschaft kund gab der Gesang,
Der einst den Hirten auf dem Feld erklungen!

Ein Fest der Freude, liebes Weihnachtsfest,
Sonst warest du, das uns nach langem Sehnen
Den Sieg des Lichtes wieder hoffen läßt,
Doch diesmal siehst du, oh, wie viele Tränen!

Viel Väter, die fröhlichen Angesichts
Ein Tannenbäumchen sonst ins Haus getragen,
Sie schauen diesmal von der Freude nichts,
Fern der Heimat liegen sie erschlagen.

O viele Mütter, die sonst froh geschmückt
Den Weihnachtsbaum mit buntem Tand und Kerzen,
Wenn nicht schon tiefe Trauer sie bedrückt,
So tragen sie doch bange Sorg' im Herzen.

Und die sonst blicken gar so munter drein,
Von Sorg und Not noch ahnend nichts, die Kleinen,
Sie können diesmal auch nicht fröhlich sein,
Sehn sie die Mütter, die Geschwister weinen.

Bring Trost und Hoffnung, heller Weihnachtsstern
Den Armen, die verstrickt in Sorgen liegen,
Und laß auch, die der lieben Heimat fern,
In fremdem Land sind, Schmerz und Feind besiegen.

Gib, daß erfüllt es werde, was aufs neu'
In stiller Nacht herabklingt aus dem Liede
Der holden Weihnachtsengel: EHRE SEI
GOTT IN DER HÖHE UND AUF ERDEN FRIEDE!