Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Sankt Florian über Linz (1929) von

Sankt Florian über Linz (1929)

An einem heißen Sommertag
sind wir emporgestiegen, wandernd Paar,
durch Dunst und Sonne hin zum Berg, -
Genuß der Schau zu suchen über Stadt und Strom.
Wie sich die Pfade lieblich schlangen!
Um Busch und Wiese aufwärts helle Bänder knüpften!

Wir schritten tief verzückt.
Ein Lager, halb am baumgeschützten Hang,
Emporgelangte nahm uns auf.
Der Wind blieb still.
Des Berges Atem schlug an unser Herz;
Wir fühlten, wie es hoch uns hebe über Erd' und Sterne,
und wieder rück uns bette in der Schöpfung Schoß.

Von Hügeln über Hügel aber sprang der Blick.
Im Fluge ruhend fing er sich im feuchten Blau
und fiel zur Stadt, die ihm die Türme höher reckte,
machtvoll begehrend, wie er ausgesendet,
schloß er nun zag empfangend den geschauten Kreis:
Land, Himmel, Hügel, Wiese, Dunst und warmer Föhn -
von Gott gesegnet, eigner Fülle trunken.

Ein Garten dehnt sich unten tief das Land.
Weinsüßer Heiligkeiten trächtig dampft das Tal
zu Gott und Wolken hoch den schweren Brodem seiner Fruchtbarkeit.
Und südwärts reitet, durch der Berge Füße brechend,
In Silber prangend, üppig aufgetan,
mit Lanzenspitzen heller Sonnenlichter prunkend,
des heilgen Stromes ritterlicher Leib.
- Glückhafte Augen, daß ihr schauen dürftet.

Der zauberhafter noch des Landes Wohllaut tönend machte,
aus Tiefen schwoll ein Klang, die Herzen mächtig rührend,
daß sie, demütiger Dankbarkeit ein klarer Born,
sich selig öffneten, vermählten ihren Schlag dem Land.
O Erde Österreichs, aus deinem Schoß unnennbar stieg es auf:
Land, Himmel, Hügel, Wiese, Dunst und warmer Föhn!
Errafften eine Handvoll deiner braunen Krume:
"Du - Unser! Heim dich tragen wollen wir ins Reich!"