Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Waldfrieden. von

Waldfrieden.

Kennst du den Weg dort am Waldesrand,
Wo die Bäume flüsternd sich neigen?
Wir sind ihn gegangen Hand in Hand
In träumendem, seligen Schweigen.
Des Waldes Seele, die mit uns war,
Lag still, wie von Zauber befangen,
Und Sonnenstrahlen funkelten klar
Auf dem Moospfad, den wir gegangen.
Ganz hoch in den Kronen ein Vogel rief;
Der weckt uns aus Traumes Banden.
Da sahen wir uns in die Augen tief,
Bis warm uns're Lippen sich fanden.
Was brauchten wir tönender Worte Klang,
Um zu sagen, was tief wir empfunden?
Wir wußten, daß wir unser Leben lang
Uns in treuester Liebe verbunden.
Des Waldes Seele sah lächelnd uns zu,
Durch die Wipfel zog leise ein Rauschen,
Sie durfte wohl oft schon in schweigender Ruh
Solch sel'ges Geheimnis belauschen.
Kennst du den Weg dort am Waldesrand,
Wo die Bäume flüsternd sich neigen?
Wir sind ihn gegangen Hand in Hand
In träumendem, glücklichen Schweigen.