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Letzter Gruss. von

Letzter Gruss.

Es schweigt der Wald, vom Zauber wie befangen,
Den Einsamkeit um sein Wipfel spinnt;
Die hohen Farren steh'n in üpp'gem Prangen,
Nur scheu verstohlen küßt sie lauer Wind.

Es ruht der See, und leis aus klarem Grunde
Tönt's wie ein Klingen, wunderbar und fern,
Es schimmert seltsam auf der Flut ein Leuchten --
In feuchter Tiefe ein versunk'ner Stern.

Der glänzt herauf mit heimlich stillem Grüßen:
"Ich bin die Liebe, die versank im Grunde --
Und bin doch bei dir, schwebe um dein Leben
Und flehe für dein Glück zu jeder Stunde.

Ich bin nicht tot, denn Liebe ist ja Leben,
Der heil'ge Urquell alles Erdenseins,
Kein Spiel, kein Traum, das einz'ge ewig Wahre
In dieser eitlen Welt des hohlen Scheins.

Und manchmal küß' ich heimlich dir die Stirne,
Erinn'rungsworte raun' ich dir ins Ohr;
Riefst du mich je, ich stieg empor vom Grunde
Und strömt in reicher Fülle warm hervor.

Ich bin die Liebe; du sollst mein gedenken,
Denn jeden Segen send' ich zu dir hin;
Zu reinen Zielen kann mein Wort dich lenken,
Weil ich vom ew'gen Licht ein Funke bin.

Ich bin die Liebe; du sollst mir vertrauen;
Ich will dir für die Spanne Erdenleben
Die heil'ge Weihe, deinem Wünschen, Streben
Mit meinem Gruße eine Richtschnur geben.

Sei treu, sei stark, und ringst du auch vergebens,
Mut ist die beste Weisheit dieses Lebens!"
Es schweigt der Wald, der Himmel steht in Glut,
Und flammend Leben zittert auf der Flut.