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Weihnachtsmarkt von

Weihnachtsmarkt

Nun sind die Buden wieder aufgeschlagen,
mit ihrer lieben bunten Märchenpracht,
und alle, die ein heimlich Päckchen tragen,
verknüpft ein Lächeln mit der holden Fracht -
denn tausend große Kinderaugen fragen:
Wann kommt die helle sternbeglänzte Nacht?
Von ferne tönt ein Klingen scheu und leise:
Der Orgelmann spielt seine Weihnachtsweise.

Ein Duft von Tannengrün und Mandarinen
mit seinem zarten Zauber uns umschwebt.
Ob Pfefferkuchen, goldne Apfelsinen -
o Traum, der von Erinnerungen lebt!
Gebrannte Mandeln lassen unsre Mienen
aufleuchten, von Vergessenem durchbebt.
Und immer tönt das Lied, bald laut, bald leise:
Der Orgelmann spielt seine Weihnachtsweise ...

Da sind die schönen Schätze ausgebreitet -
die Christbaumkugeln und das Engelshaar;
gelenkige Puppen, blau den Blick geweitet,
und drolliger Tiere seidenpelzige Schar.
Und fehlt auch nichts, was Großen Glück bereitet,
die schaffend sich gemüht das ganze Jahr -
wie Glockenruf rührt's an die Seele leise:
Der Orgelmann spielt seine Weihnachtsweise.

Uns packt das ferne, windverwehte Klingen
als wie ein Wort aus Gottes ewigem Mund:
Die Christnacht feiern, heißt sich selbst bezwingen,
der fremden Not, des fremden Leides kund.
So wollen wir den andern Freude bringen
und gütig sein aus tiefstem Herzensgrund,
auf Engelsflügeln folgt das Lied uns leise:
Der Orgelmann spielt seine Weihnachtsweise...