Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Deutsche Weihnacht 1914. von

Deutsche Weihnacht 1914.

Weihnachtsabend ... Hoch drei Nebelstreifen,
Die sich kreuzen und ins Ferne greifen.

Einer greift nach Osten weit ins Leere,
Einer nordwärts hin zum grauen Meere,

Einer wendet unter Himmelsfesten
Dämmerleuchtend seine Bahn gen Westen. -

Riesenströme zittern sie und fluten,
Angestrahlt von unsichtbaren Gluten.

Das ist Sehnsucht ... mächtig und unendlich,
Hauch geworden und dem Auge kenntlich!

Heil'ge Not, entbrannt in einem Volke,
Droben wandernd wie mit Wind und Wolke!

Das ist Liebe, die als Heer der Heere
Weit hinauszieht auf das Feld der Ehre! - -

Christknecht ... alter ... bleib in deiner Klause.
Deutschlands Seele triffst du nicht zu Hause!