Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Heilige Not. von

Heilige Not.

Es tat mir heut so bitter weh,
So seltsam weh die Brust beklemmt:
Wie vielem sagt' ich schon ade,
Wie vielem ward ich fern und fremd!

Mich band mit Rosen weiß und rot
Ein Lebensglück wohl wunderbar,
Doch nahm es mir die heil'ge Not,
Die meines Tags Gesellin war.

O daß des Glückes goldner Pfeil
Doch stets ins Herz der Sehnsucht zielt!
Daß jedes volle Lebensteil
Vom andern immer borgt und stiehlt!

Ich hört' heut' nacht ein Brausen gehn,
Da ward mir jäh das das Herze weit.
Ich sah die Sehnsucht vor mir stehn,
Die Sehnsucht meiner Kämpferzeit.

O heil'ge Not, ich grüße dich,
Die mir das Glück so lang verhüllt!
Gib du, daß meine Seele sich
Mit Kräften und mit Zielen füllt!

Daß bald ein Sturm darüber saust,
Wie einst in junger Frühlingskraft,
Und daß sie wieder schluchzst und braust
Und - überströmend schwillt und schafft!