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Der Beerenwald von

Der Beerenwald

Der Wald, worin ich einstens war,
liegt noch im gleichen Licht.
Ein Spinnweb hängt sich in das Haar,
ein Zweig schrammt das Gesicht.

Die Heidelbeere schwillt im Ktaut,
von Blättern halb versteckt.
Wie hab ich gerne sie gekaut,
ihr dunkles Blut geschmeckt.

Doch wenn der körnig blaue Saft
mir wieder schmilzt im Mund,
wird in der Süße dämmerhaft
die bittre Zeit mir kund.

Ich seh den Wald, der einstens war,
nicht mehr im gleichen Licht,
wo ich gespielt im Kinderjahr,
kenn ich die Kiefern nicht.

Wo ich zu Schmaus und Zeitvertreib
einst schweifte hin und her,
im Dickicht kniet das Beerenweib
und kämmt die Stengel leer.