Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Mahnung von

Mahnung

Andre Zeit hat andre Weise,
nimmer kehrt zurück, was war;
doch der Eichbaum grünet leise
wieder wie im vor'gen Jahr.
Frisch verjüngt und doch der alte,
steht er da und sproßt und treibt;
ob die Form sich umgestalte,
das Gesetz des Lebens bleibt.

Und so magst du kühn erlesen,
du, mein Volk, was frisch und neu;
doch in deinem tiefsten Wesen
bleib, o bleib dir selbst getreu!

Wie sich Brauch und Satzung färben,
laß von deinen Sternen nicht!
Das Geschlecht ist reif zum Sterben,
das mit seiner Vorzeit bricht.

Mut und Treue sonder Fehle,
Einfalt, die vom Herzen klingt,
und den tiefen Zug der Seele,
der nach seinem Gotte ringt, -
wahrst du die, wohlan so wage
jeden Kampf voll Siegeslust!
Denn du trägst zukünft'ger Tage
frohe Bürgschaft in der Brust.