Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Selbstlob. von

Selbstlob.

Einst in der Sommerfrische fern von Haus
Ging mir zuletzt das Lesefutter aus,
Da hab' ich - mir ist's wunderlich gewesen -
Für Langeweile selber mich gelesen,
Und was mir doppelt wunderbar:
Daß mir mein eignes Lied erbaulich war.
Ich sah verklärt mein flüchtig Leben
Mir wie im Traum vorüberschweben;
Was einst in Freud' und Leid mein Herz gerührt,

In leisem Echo hab' ich's nachgespürt,
Ein paarmal wurde, wie mir deucht,
Sogar mein Auge plötzlich feucht.
Und einmal gar, - den Freunden sei's vertraut,
Nur komm' es keinem Kritiker zum Ohre, -
Schlug ich aufs Buch und sprach zu mir ganz laut,
Doch war's im tiefsten Wald:
Anch' io sono pittore!