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Die Verwandlung von

Die Verwandlung

Als ich unter den Menschen noch war, da war ich ein
Jüngling,
Weiblich und zart von Gefühl,
Ganz zur Empfindung der Liebe geschaffen. So
zärtlich und fühlend
War kein Sterblicher mehr.
Also sah ich ein göttliches Mädchen; so zärtlich und
fühlend
War keine Sterbliche mehr.
Aber ein unerbittliches Schicksal, ein eisernes
Schicksal
Gab mir ein hartes Gesetz,
Ewig zu schweigen, und einsam zu weinen. So
zärtlich und elend
War kein Sterblicher mehr.
Einst sah ich sie im Haine; da ging ich seitwärts und
weinte
Seitwärts ins Einsame hin,
Tief in den dunkelsten Hain, der den bängsten
Schmerzen geweiht war,
Und dem erbebenden Geist.
Ach, vergebens erschaffne - wenn jene, die die Natur
dir
Gleich schuf, ewig dich flieht -
Ach, vergebens unsterbliche Seele! wenn ewig einsam
Dir die Unsterblichkeit ist.
Wenn du, da du die Seelen erschufst, zwo Seelen von
vielen,
Mütterliche Natur,
Zärtlicher und sich ähnlich erschufst, und gleichwohl
sie trenntest,
Sage, was dachtest du da,
Mütterliche Natur? Sonst immer weise, mir aber
Hier nicht weise genug,
Hier nicht zärtlich genug! nicht mehr die liebende
Mutter,
Die du immer sonst warst!
Ach, wenn dich noch Tränen erweichten! und wenn
ein vor Wehmut
Bang erbebendes Herz
Dich und dein eisernes Schicksal und seine Donner
versöhnte,
Wenn du Mutter noch wärst!
Wenn, wie vormals, dein Ohr, zur Zeit des goldenen
Alters,
Stammelnde Seufzer vernähm'!
Aber du bleibst unerbittlich und ernst. So sei es denn
ewig!
Sei's! nicht mehr Mutter, Natur!
Warum hast du mich nicht, wie diesen Hain hier,
erschaffen,
Ruhig und ohne Gefühl?
Warum nicht, wie den Sänger des Hains? Er fühlt
sich vielleicht nicht,
Oder ist es Gefühl,
Was er tönet; sinds zärtliche Klagen, die seufzend
sein Mund singt,
Ach, so wird er gehört!
Ach, so lieben ihn Sängerinnen! so donnert kein
Schicksal
Sie zu trennen daher!
Ach, so fühlt er kein menschliches Elend! - Auf, laß
mich wie er sein!
Nicht mehr Mutter, Natur,
Schaffe zur Nachtigall mich! doch laß mir die
menschliche Seele,
Diese Seele nicht mehr!
Also sagt, ich, und wurde verwandelt, doch blieb mir
die Seele
Und mein zu fühlendes Herz;
Und, nicht glücklicher, klag' ich noch einsam, und
weine die Nacht durch
Und den mir nächtlichen Tag.
Wenn der Morgen dahertaut, wenn glücklichern
Vögeln und Menschen
Du, o Abendstern, winkst,
Geht, die ich lieb', im Haine daher; dann sing' ich ihr
Klagen,
Aber sie höret mich nicht.
O so höre mich, Jupiter, dann, du, des hohen
Olympus
Donnerer, höre du mich:
Schaffe zum Adler mich um, laß deinen Donner mich
tragen,
Daß sein kriegrischer Schall
Hart und fühllos mich mache, daß in den hohen
Gewittern
Zärtlich mein Herz nicht mehr bebt,
Daß ich die ehernen donnernden Wagen des Zeus nur
erblicke,
Aber kein blühend Gesicht,
Und kein lächelndes Auge, das seelenvoll redt, und
die Sprache
Der Unsterblichen spricht.-
Also sang er und wurde zum Adler, und an dem
Olympus
Zog sich ein Wetter herauf.