Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Winterfreuden von

Winterfreuden

Also muß ich auf immer, Kristall der Ströme, dich
meiden?
Darf nie wieder am Fuß schwingen die Flügel des
Stahls?
Wasserkothurn, du warest der Heilenden einer; ich
hätte,
Unbeseelet von dir, weniger Sonnen gesehn!
Manche Rose hat mich erquickt; sie verwelkten! und
du liegst,
Auch des Schimmers beraubt, liegest verrostet nun
da!
Welche Tage gabest du mir! wie begannen sie, wenn
sich
In der Frühe Glanz färbte noch bleibender Reif;
Welche Nächte, wenn nun der Mond mit der Heitre
des Himmels,
Um der Schönheit Preis, siegend stritt, und besiegt.
Dann war leichter der Schwung, und die Stellung
unkünstlicher, froher
Dann der Rufenden Laut, blinkete heller der Wein,
Und wie war der Schlaf der endlich Ermüdeten eisern,
Wie unerwecklich! Wer schlief jemals am Baume
wie wir?
Aber es kam mit gebotnem Gepolter der Knecht; und
wir sahen
Wieder den farbigen Reif, wieder den Schimmer der
Nacht.
Der du so oft mit der labenden Glut der gefühlten
Gesundheit
Mich durchströmetest, Quell längeres Lebens mir
warst,
Wenn ich vorüberglitt an hellbeblüteten Ulmen;
Schnee war die Blume; der Bahn warnende Stimme
vernahm,
Mit nachhorchendem Ohr; auch wohl hinschwebt' an
der Ostsee,
Zwischen der Sonne, die sank, und dem Monde, der
stieg;
Oder wenn, den die Flocken zu tausenden in sich
verhüllten,
Und den schwindelte, Sturm auf das Gestade mich
warf:
Ach einst wurdest du mir, Kothurn, zum tragischen!
führtest
Mich auf jüngeres Eis, welches dem Eilenden brach.
Bleich stand da der Gefährt; mein Schutzgeist gab mir
Entschluß ein;
Jener bebte nicht mehr: und die Errettung gelang.
Als sie noch schwankend schien, da rührte mich innig
des Himmels
Lichtere Bläue, vielleicht bald nun die letzte für
mich!
Dank dir noch einmal, Beindorf, daß du mich
rettetest! Dir kam
Lang schon die letzte; mir macht sie die Erde noch
schön.