Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Johann Kepler von

Johann Kepler

Gestern, als ich vom nächtlichen Lager den Stern mir
in Osten
Lang betrachtete, den dort mit dem rötlichen Licht,
Und des Mannes gedachte, der seine Bahnen zu
messen,
Von dem Gotte gereizt, himmlischer Pflicht sich
ergab,
Durch beharrlichen Fleiß der Armut grimmigen
Stachel
Zu versöhnen, umsonst, und zu verachten bemüht:
Mir entbrannte mein Herz von Wehmut bitter; ach!
dacht ich,
Wußten die Himmlischen dir, Meister, kein
besseres Los?
Wie ein Dichter den Helden sich wählt, wie Homer
von Achilles'
Göttlichem Adel gerührt, schön im Gesang ihn
erhob,
Also wandtest du ganz nach jenem Gestirne die
Kräfte,
Sein gewaltiger Gang war dir ein ewiges Lied.
Doch so bewegt sich kein Gott von seinem goldenen
Sitze,
Holdem Gesange geneigt, den zu erretten, herab,
Dem die höhere Macht die dunkeln Tage bestimmt
hat,
Und euch Sterne berührt nimmer ein
Menschengeschick;
Ihr geht über dem Haupte des Weisen oder des Toren
Euren seligen Weg ewig gelassen dahin!