Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Götterwink von

Götterwink

Nachts auf einsamer Bank saß ich im tauenden
Garten,
Nah dem erleuchteten Saal, der mir die Liebste
verbarg.
Rund umblüheten ihn die Akazien, duftaushauchend,
Weiß wie der fallende Schnee deckten die Blüten
den Weg.
Mädchengelächter erscholl und Tanz und Musik in
dem Innern,
Doch aus dem fröhlichen Chor hört ich nur andre
heraus.
Trat sie einmal ans Fenster, ich hätte den dunkelsten
Umriß
Ihrer lieben Gestalt gleich unter allen erkannt.
Warum zeigt sie sich nicht, und weiß, es ist der
Geliebte
Niemals ferne von ihr, wo sie auch immer verweilt?
Ihr umgebt sie nun dort, o feine Gesellen! Ihr findet,
Schön ist die Blume, noch rein atmend die Würze
des Hains.
Dünkt euch dies Kind wohl eben gereift für das erste
Verständnis
Zärtlicher Winke? Ihr seid schnelle, doch kommt
ihr zu spät.
Stirne, Augen und Mund, von Unschuld strahlend,
umdämmert
Schon des gekosteten Glücks seliger Nebel geheim.
Blickt sie nicht wie abwesend in euren Lärmen? Ihr
Lächeln
Zeigt nur gezwungen die Zahnperlen, die
köstlichen, euch.
Wüßtet ihr was die Schleife verschweigt im doppelten
Kranze
Ihrer Flechten! Ich selbst steckte sie küssend ihr an,
Während mein Arm den Nacken umschlang, den
eueren Blicken
Glücklich der seidene Flor, lüsterne Knaben,
verhüllt.
- Also sprach ich und schwellte mir so Verlangen und
Sehnsucht;
Kleinliche Sorge bereits mischte sich leise darein.
Aber ein Zeichen erschien, ein göttliches: nicht die
Geliebte
Schickt' es, doch Amor selbst, welchen mein
Kummer gerührt.
Denn an dem Altan, hinter dem nächtlichen Fenster,
bewegt sich
Plötzlich, wie Fackelschein, eilig vorüber ein
Licht,
Stark herstrahlend zu mir, und hebt aus dem dunkeln
Gebüsche,
Dicht mir zur Seite, die hoch glühende Rose
hervor.
Heil! o Blume, du willst mir verkünden, o
götterberührte,
Welche Wonne, noch heut, mein, des Verwegenen,
harrt
Im verschloßnen Gemach. Wie schlägt mein Busen! -
Erschütternd
Ist der Dämonien Ruf, auch der den Sieg dir
verspricht.