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Bilder aus Bebenhausen von

Bilder aus Bebenhausen


1. Kunst und Natur

Heute dein einsames Tal durchstreifend o trautestes
Kloster
Fand ich im Walde zunächst jenen verödeten
Grund,
Dem du die mächtigen Quader verdankst und was dir
zum Schmucke
Deines gegliederten Turms alles der Meister
verliehn.
Ganz ein Gebild des fühlenden Geistes verleugnest
du dennoch
Nimmer den Mutterschoß drüben am felsigen
Hang.
Spielend ahmst du den schlanken Kristall und die
rankende Pflanze
Nach und so manches Getier, das in den Klüften
sich birgt.


2. Brunnen-Kapelle am Kreuzgang

Hier einst sah man die Scheiben gemalt, und Fenster
an Fenster
Strahlte der dämmernde Raum, welcher ein
Brünnlein umschloß
Daß auf der tauenden Fläche die farbigen Lichter sich
wiegten,
Zauberisch, wenn du wie heut, herbstliche Sonne,
geglänzt.
Jetzo schattest du nur gleichgültig das steinerne
Schmuckwerk
Ab am Boden, und längst füllt sich die Schale
nicht mehr.
Aber du zeigst mir tröstlich im Garten ein blühendes
Leben,
Das dein wonniger Strahl locket aus Moder und
Schutt.


3. Ebendaselbst

Eulenspiegel am Kreuzgang, was? der verrufne
Geselle
Als Gurtträger? Und wem hält er sein Spiegelchen
vor?
Einem entrüsteten Mönch, der ganz umsonst sich
ereifert;
Immer nur lachet der Schalk, weist ihm die Eule
und lacht.
4. Kapitelsaal

Wieder und wieder bestaun ich die Pracht der
romanischen Halle,
Herrliche Bogen, auf kurzstämmige Säulen
gestellt.
Rauh von Korn ist der Stein, doch nahm er willig die
Zierde
Auch zu der Großheit auf, welche die Massen
beseelt.
Nur ein düsteres Halblicht sendet der Tag durch die
schmalen
Fenster herein und streift dort ein vergessenes
Grab.
Rudolph dem Stifter, und ihr, Mechthildis, der
frommen, vergönnte
Dankbar das Kloster, im Port seiner Geweihten zu
ruhn.


5. Sommer-Refektorium

Sommerlich hell empfängt dich ein Saal; man glaubt
sich in einem
Dom; doch ein heiterer Geist spricht im Erhabnen
dich an.
Ha, wie entzückt aufsteiget das Aug im Flug mit den
schlanken
Pfeilern! Der Palme vergleicht fast sich ihr luftiger
Bau.
Denn vielstrahlig umher aus dem Büschel verlaufen
die Rippen
Oben und knüpfen, geschweift, jenes unendliche
Netz,
Dessen Felder phantastisch mit grünenden Ranken
der Maler
Leicht ausfüllte; da lebt was nur im Walde sich
nährt:
Frei in der Luft ein springender Eber, der Hirsch und
das Eichhorn;
Habicht und Kauz und Fasan schaukeln sich auf
dem Gezweig.
- Wenn von der Jagd herkommend als Gast hier
speiste der Pfalzgraf,
Sah er beim Becher mit Lust über sich sein
Paradies.


6. Gang zwischen den Schlafzellen

Hundertfach wechseln die Formen des zierlich
gemodelten Estrichs
Auf dem Flur des Dorments, rötlich in Würfeln
gebrannt:
Rebengewinde mit grüner Glasur und bläulichen
Trauben
Täubchen dabei, paarweis, rings in die Ecken
verteilt;
Auch dein gotisches Blatt, Chelidonium, dessen
lebendig
Wucherndes Muster noch heut draußen die Pfeiler
begrünt;
Auch, in heraldischer Zeichnung, erscheint vielfältig
die Lilie,
Blume der Jungfrau, weiß schimmernd auf
rötlichem Grund.
Alles mit Sinn und Geschmack, zur Bewunderung!
aber auch alles
Fast in Trümmern, und nur seufzend verließ ich
den Ort.


7. Stimme aus dem Glockenturm

Ich von den Schwestern allein bin gut katholisch
geblieben;
Dies bezeugt euch mein Ton, hoff ich, mein
goldener, noch.
Zwar ich klinge so mit, weil ich muß, sooft man uns
läutet,
Aber ich denke mein Teil, wißt es, im stillen
dabei.


8. Am Kirnberg

Hinter dem Bandhaus7 lang hin dehnt sich die Wiese
nach Mittag,
Längs dem hügligen Saum dieser bewaldeten
Höhn,
Bis querüber ein mächtiger Damm sich wirft wie mit
grünem
Sammet gedeckt: ehdem faßte das Becken den See,
Welcher die Schwelle noch netzte des Pförtleins dort
in der Mauer,
Wo am eisernen Ring spielte der wartende Kahn.
Sah ich doch jüngst in der Kirche das Heiligenbild
mit dem Kloster
Hinten im Grund: tiefblau spiegelt der Weiher es
ab.
Und auf dem Schifflein fahren in Ruh zwei
Zisterzienser
Weiß die Gewänder und schwarz, Angel und Reuse
zur Hand.
Als wie ein Schattenspiel, so hell von Farben, so
kindlich
Lachte die Landschaft mich gleich und die Gruppe
mich an.
9. Aus dem Leben

Mädchen am Waschtrog, du blondhaariges, zeige die
Arme
Nicht und die Schultern so bloß unter dem Fenster
des Abts!
Der zwar sieht dich zum Glück nicht mehr, doch dem
artigen Forstmann
Dort bei den Akten bereits störst du sein stilles
Konzept.


10. Nachmittags

Drei Uhr schlägt es im Kloster. Wie klar durch die
schwülige Stille
Gleitet herüber zum Waldrande mit Beben der
Schall,
Wo er lieblich zerfließt, in der Biene Gesumm sich
mischend,
Das mich Ruhenden hier unter den Tannen umgibt.


11. Verzicht

Bleistift nahmen wir mit und Zeichenpapier und das
Reißbrett;
Aber wie schön ist der Tag! und wir verdürben ihn
so?
Beinah dächt ich, wir ließen es gar, wir schaun und
genießen!
Wenig verliert ihr, und nichts wahrlich verlieret die
Kunst.
Hätt ich auch endlich mein Blatt vom Gasthaus an
und der Kirche
Bis zur Mühle herab fertiggekritzelt - was ist's?
Hinter den licht durchbrochenen Turm, wer malt mir
dies süße,
Schimmernde Blau, und wer rundum das warme
Gebirg?
- Nein! Wo ich künftig auch sei, fürwahr mit
geschlossenen Augen
Seh ich dies Ganze vor mir, wie es kein Bildchen
uns gibt.