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Sie preist die jungfräuliche Mutter ihres Bräutigams von

Sie preist die jungfräuliche Mutter ihres Bräutigams

1
Reinste Jungfrau, die vor allen
Gott dem Vater wohlgefallen,
Deren Keuschheit seinen Sohn
Hat gelockt vons Himmels Thron,
Reinste Jungfrau, dir zu Ehren,
Laß ich meine Stimme hören.

2
Dich, Maria will ich preisen,
Dir, o Jungfrau, Dienst erweisen,
Dich, du schönster Morgenstern,
Will ich rühmen weit und fern.
Denn durch dich ist uns gegeben
Jesus, unser Heil und Leben.

3
Auserlesen wie die Sonne
Ist dein Glanz und deine Wonne,
Schöner wie der Mondenschein
Und die güldnen Sterne sein,
Schrecklich wie die Heeresspitzen,
Die vor Feinden uns beschützen.

4
Eine Burg, die stets verriegelt,
Und ein Brunn, den Gott versiegelt,
Und ein Turm von Helfenbein
Und ein Perlenkästelein.
Ein verschlossner Frühlingsgarten
Bist du, Jungfrau, schönster Arten.

5
Kommt, ihr Töchter und Jungfrauen,
Eine Königin zu schauen,
Die sich Gott hat selbst vertraut,
Seine Tochter, Mutter, Braut.
Schaut die Fürstin, die er liebet,
Der er gänzlich sich ergibet.

6
Schaut die wahre Bundeslade,
Das Gefäße voller Gnade,
Schaut des Höchsten güldnes Haus,
Da er gehet ein und aus.
Schaut des Noe Wunderkasten,
Da die Taube (Gott) kann rasten.

7
Schaut die schöne Rötin prangen,
Wie sie kommt daher gegangen!
Wie sie uns der Sonnenglanz
Ansagt und gebieret ganz!
Schauet, wie sie kann das Leben
Und das Licht der Erde geben.

8
O du güldner Himmelswagen,
Der uns Jesum bringt getragen,
Thron des wahren Salomons,
Fell des Helden Gedeons!
Faß voll Gotts und seiner Güte,
Seine Wohnung, seine Hütte.

9
Königin der Seraphinen,
Oberste der Cherubinen,
Herzogin der Märtyrer,
Fürstin aller Beichtiger,
Aller Heilgen und Jungfrauen,
Die dem Lamme sich vertrauen.

10
O Maria, voller Gnade,
Hilf, daß mir der Feind nicht schade.
Daß ich möge nach der Zeit
In der ewgen Seligkeit,
O du Krone der Jungfrauen,
Dich und deinen Sohn anschauen.