Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Sie küßt die Füße Jesu Christi von

Sie küßt die Füße Jesu Christi

1
Verwundter Heiland, sieh nicht an,
Daß ich so mißgehandelt
Und mit den Sündern auf der Bahn
Der Bosheit hab gewandelt.
Ich komme nun zu deinen Füßen
Und küsse sie mit tausend Küssen.

2
Die Zunge bebt und spricht nicht viel,
Das Haupt sinkt zu der Erden.
Die Tränen sagen, was ich will,
Es reden die Geberden.
Erhör mein Herz, o große Güte,
Und das zerknirschete Gemüte.

3
Laß mich nur solche Gnad und Huld,
Wie Magdalen, erlangen
Und Ablaß meiner Sünd und Schuld
Aus deinem Mund empfangen.
Heiß mich so voller Trosts aufstehen
Und, gleich wie sie, befriedigt gehen.

4
Ich will dich lieben ohne Maß
Und nimmermehr verlassen,
Mit Herzenstränen machen naß
Und als ein Kind umfassen.
Ich will dich lieben, meine Seele,
Gib mir nur deiner Wunden Öle.

5
Ihr armen Füße seid geküßt,
Die ihr für mich zerschlagen,
Die ihr für meine Taten büßt
Und traget meine Plagen.
Hätt ich doch nie gelebt in Sünden,
Daß ihr nicht dürftet dies empfinden!

6
Verstoßt mich doch nicht, weil mirs leid,
Weil ich die Schuld bekenne,
Vergebt, weil ich mich allbereit
Von Herzen eure nenne.
Gebt, daß ich des Verdiensts genieße,
Den ihr erwerbt, ihr heilgen Füße.