Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Sie schenkt ihrem Geliebten ihr Herze in unterschiedener Gestalt zu ei von

Sie schenkt ihrem Geliebten ihr Herze in unterschiedener Gestalt zu einem Morgengeschenk

1
Großer König, dem ich diene,
Der mir an der Himmelsbühne
Wiederum das Licht anzündt,
Der jetzt und zu allen Zeiten
Mit viel tausend Gütigkeiten
Mir mein Herz und Sinn gewinnt.
Dich mit etwas zu beschenken,
Soll ich billig auch gedenken.

2
Du zernichtst auf allen Seiten
Meiner Feinde Tätlichkeiten,
Haltest um und um mich Wacht.
Du verleihst dem Leib und Sinnen,
Daß sie ruhn und schlafen können,
Bist mein Licht auch in der Nacht.
Drum soll ich ja wohl gedenken,
Dich mit etwas zu beschenken.

3
Aber was werd ich wohl eben
Dir, dem ewgen Reichtum, geben,
Der ich nichts als Armut bin.
Werd ich auch wohl etwas finden,
Daß ich mir dich kann verbinden,
Das du wollest an dich ziehn?
Schau, ich will mein Herz gar eben,
Wie ich immer kann, dir geben.

4
Erstlich will ich dirs von neuem
Gar zu einem Tempel weihen,
Der da ewig heilig sei.
Dann als ein'n Altar dir geben,
Daß du dich drauf, o mein Leben,
Gotte für mich opferst frei.
Ach, verbrenne doch darinnen
Alle Lust und schnöde Sinnen!

5
Weiter schenk ich dessen Höhle
Deiner allerliebsten Seele
Als ein Bräutgamskämmerlein.
Als ein Brautbett keuscher Freuden
Von der schönsten weißen Seiden,
Gleich dem helfenbeinern Schrein.
Ach, daß deine keuschen Flammen
Schmelzten mich und dich zusammen!

6
Fort schenk ichs als eine Rose,
Die dein Atem liebekose
Und ohn Aufhörn in sich zieh.
Auch als eine Lilienblume,
Die durchaus dir, Herr, zu Ruhme
Ausgebreit steh spät und früh.
Ach, könnt ich doch von der Erden
So in dich gezogen werden!

7
Ferner soll es auch noch dienen
Deiner Majestät zur Bühnen,
Deiner Herrlichkeit zum Thron.
Zum Palast und ewger Wonne
Will ichs dir, o meine Sonne,
Geben, großer Gottessohn.
Ach, komm doch hereingezogen
Von dem hohen Himmelsbogen!

8
Noch schenk ichs auch als ein'n Garten,
Voll Gewächse schönster Arten,
Voller Blüt und Lieblichkeit.
Als ein Lustwald, als ein Bronnen,
Der wie strömend kommt geronnen,
Fließend in die Ewigkeit.
Ach, daß du doch diesen Garten,
Liebster Gärtner, wolltest warten!

9
Endlich seis auch als ein Himmel,
Der entfernt von allm Getümmel
Dir, dem Himmelsherrn, geschenkt.
Als ein angenehme Wüste,
Als ein Abgrund ewger Lüste,
Da dein Geist sich hin versenkt.
Ach, wenn ich mit dir versinkte
Und ganz seliglich ertrinkte!

10
Nun, ich hab es dir, mein Leben,
Wie ich nur vermocht, gegeben,
Steh mir in Genaden bei.
Hilf, daß es zu allen Stunden
Werde dieses alls gefunden
Und dein ewge Wonne sei.
Jag aus meinem armen Herzen
Alle Welt und irdschen Schmerzen.