Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Sie hält die Hoheit Gottes und ihre Nichtigkeit gegeneinander von

Sie hält die Hoheit Gottes und ihre Nichtigkeit gegeneinander

1
Du unvergleichlichs Gut, wer wollte dich nicht lieben?
Wer wollte nicht sein Herz um dich, o Gott, betrüben?
Wer wollte nicht mit Geist und Sinn
In dich, mein Jesu, wandern hin?

2
Du bist der ewge Glanz, den nur bloß anzuschauen
Kein Engel würdig ist, kein Mensch sich kann getrauen!
Und dennoch bist du mehr gemein
Als immermehr der Sonnenschein.

3
Du bist die Majestät, der alles Ehr erzeiget,
Der Herr, vor dem Erd, Höll und Himmel tief sich neiget.
Und doch neigst du dich, Herr, so weit
Zu mir, der schnödsten Schnödigkeit.


4
Du bist die Weisheit selbst, die ewiglich regieret,
Der tiefeste Verstand, der alles glücklich führet.
Und doch kommst du mich hinzuführn,
Daß auch ich soll mit dir regiern.

5
Du bist das höchste Gut, du darfst kein Gut verlangen,
Du selbst bist alle Lust, darfst keine Lust empfangen.
Und doch verlangst du meine Brust
Zu deiner ewgen Freud und Lust.

6
Du bist die Schönheit selbst, du kannst nichts Schöners finden,
Es kann dich nichts als nur dein eigne Schönheit binden.
Und doch hat deiner Liebe Band
Dich mir, dem Schatten zugewandt.

7
Du sitzest auf dem Thron, vor dem die Teufel zittern,
Es kann in deinem Reich sich ewiglich nichts wittern.
Und doch gibst du dich so herab
Um mich bis in das Kreuz und Grab.

8
O unvergleichlichs Gut, wie sollt ich dich nicht lieben?
Wie sollte sich mein Herz nach dir nicht stets betrüben?
Ach wäre doch mein Geist und Sinn
In dich schon ganz, mein Jesu, hin.