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Gleichmäßigen Inhalts von

Gleichmäßigen Inhalts

1
Du schnöder Madensack, was bildest du dir ein?
Meinst du denn, daß du wirst auf Erden ewig sein?
Ach nein, betrüg dich nicht, du kannst nicht lange stehn
Und mußt in kurzer Zeit mit Schmerzen untergehn.

2
Schau, alle Pracht und Ehr und alle Herrlichkeit,
Die du auf Erden hast, ist nichts als Eitelkeit;
Ist wie ein Rauch und Dampf und wie ein zartes Glas,
Wie eine Wiesenblum und abgemeiet Gras.

3
Wie manche große Stadt, wie manches Königreich
Wird einer Wüstenei und schlechtem Dörflein gleich!
Wie oft hat man gesehn die Kaiser übel stehn
Und große Könige mit Jammer untergehn.

4
Dein schönes Angesicht, dein roter Rosenmund
Ist Augenblicks dahin, verstellt und ungesund.
Dein grader starker Leib veraltet und nimmt ab,
Verdorret und verkrummt und neiget sich ins Grab.

5
Dein Reichtum, Geld und Gut ist Asche, Staub und Spreu,
Ein leichtes Federlein, ein abgedorrtes Heu.
Heut ist es noch bei dir, bald kommt ein kleiner Wind,
Der wehet es so weit, daß man es nirgends findt.

6
So geht die Welt dahin mit ihrer Herrlichkeit,
So, so besteht die Lust der schnöden Eitelkeit.
So lange hält dies Eis, so lange liegt der Schnee
Und folgt doch nichts darauf als Jammer, Angst und Weh.

7
Drum, schnöder Madensack, so bilde dir nicht ein,
Daß du alleine wirst auf Erden ewig sein.
Verschmäh die Eitelkeit, die Welt und all ihr Gut,
Kasteie deinen Leib, brich deinen stolzen Mut.

8
Beschau die Ewigkeit, ach, ach wie lang ist sie!
Bereite dich zum Tod, er folgt dir spät und früh.
Tu Guts und bessre dich, auf daß du kannst bestehn,
Wenn du sollst Rechnung tun und vors Gerichte gehn.

9
Erhebe dich zu Gott, wirf deinen ganzen Sinn
Und alles, was du hast, auf ihn alleine hin.
In ihn verliebe dich, um ihn sei keusch betrübt,
Wie selig ist der Mensch, dem nichts als Gott beliebt.