Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Aus "Der Abenteurer und die Sängerin". von

Aus "Der Abenteurer und die Sängerin".

Der Baron spricht:

Ich will hier Feste geben. Schaff mir Löwen,
Die Blumensträuße aus dem Rachen werfen!
Vergoldete Delphine stell vors Tor,
Die roten Wein ins grüne Wasser spein!
Nicht drei, nicht fünf, zehn Diener nimm mir auf
Und schaff Livreen. An den Treppen sollen
Drei Gondeln hängen voller Musikanten
In meinen Farben.
Ich will den Kampanile um und um
In Rosen und Narzissen wickeln. Droben
Auf seiner höchsten Spitze sollen Flammen
Von Sandelholz, genährt mit Rosenöl,
Den Leib der Nacht mit Riesenarmen fassen.
Ich mach' aus dem Kanal ein fließend Feuer,
Streu so viel Blumen aus, daß alle Tauben
Betäubt am Boden flattern, so viel Fackeln,
Daß sich die Fische angstvoll in den Grund
Des Meeres bohren, daß Europa sich
Mit ihren nackten Nymphen aufgescheucht
In einem dunkleren Gemach versteckt
Und daß ihr Stier geblendet laut aufbrüllt!
Mach Dichterträume wahr, stampf aus dem Grab
Den Veronese und den Aretin,
Spann Greise vor, bau eine Pyramide
Aus Leibern junger Mädchen, welche singen!
Die Pferde von Sankt Markus sollen wiehern
Und ihre ehrnen Nüstern blähn vor Lust!
Die oben liegen in den bleiernen Kammern
Und ihre Nägel bohren in die Wand,
Die sollen innehalten und schon meinen,
Der Jüngste Tag ist da, und daß die Engel
Mit rosenen Händen und dem wilden Duft
Der Schwingen niederstürzend jetzt das Dach
Von Blei hinweg, herein den Himmel reißen! ...


Derselbe spricht:

O hättest du gelernt wie ich zu leben,
Dir wäre wohl.
Ich achte diese Welt nach ihrem Wert,
Ein Ding, auf das ich mich mit sieben Sinnen
So lange werfen soll, als Tag' und Nächte
Mich wie ein ächzend Fahrzeug noch ertragen.
Leben! Gefangen liegen, schon den Tritt
Des Henkers schlürfen hörn im Morgengrauen
Und sich zusammenziehen wie ein Igel,
Gesträubt vor Angst und starrend noch von Leben!
Dann wieder frei sein! atmen! wie ein Schwamm
Die Welt einsaugen, über Berge hin!
Die Städte drunten, funkeln wie die Augen!
Die Segel draußen, vollgebläht wie Brüste!
Die weißen Arme! Die von Schluchzen dunklen
Verführten Kehlen! Dann die Herzoginnen
Im Spitzenbette weinen lassen und
Den dumpfen Weg zur Magd, du glaubst mir nicht?

Ich sage dir, es gibt nichts Lustigres
Als hier im Zimmer auf und nieder gehn,
Sich Wein einschenken, essen, schlafen, küssen
Und draußen an der Tür den wilden Atem
Von einem gehen hören oder einer,
Die lauert und in der geballten Faust
Den Tod hält, deinen oder ihren Tod! ...